Freitag, 23. Januar 2015

Ohrfeigen und Pistolen

Wie schmerzhaft muss es sich anfühlen, so in der Öffentlichkeit gedemütigt zu werden, so in der Ehre verletzt? Zu wissen, dass alle Deine Engsten genau so darunter leiden wie Du?
Bis man schliesslich eine Massnahme ergreift, welche man sich nie erträumt hätte.
Wie viel braucht es dafür? Dies möchte Heinrich Böll mit seinem Buch "die verlorene Ehre der Katharina Blum" verdeutlichen.

Vor rund 41 Jahren wurde die fiktive Erzählung, welche 145 Seiten umfasst, durch den deutschen Taschenbuch Verlag veröffentlicht. Der Autor spricht ein Thema an, das nicht nur zu seiner Zeit gewaltige Wichtigkeit erlang, nein, auch bei uns erntet das Thema noch heute grosse Aufmerksamkeit.
Der Untertitel des Buches "Wie Gewalt entsteht und wohin sie führen kann" spricht die Auswirkungen an.

Das Buch handelt von einer jungen Frau namens Katharina Blum, welche durch Zufall den gesuchten Bandit, Ludwig Götten kennenlernt. Sie, wie auch er, verlieben sich auf Anhieb unsterblich in einander. Sie verbringen eine gemeinsame Nacht, bis er am nächsten Tag, als die Polizei die Wohnung der jungen Frau stürmt, spurlos verschwindet. Ein langer Prozess beginnt, welcher die ungeteilte Aufmerksamkeit einer gewissen ZEITUNG erobert. Diese schreckt vor keiner Tat zurück und beginnt schlagartig selber Ermittlungen durch einen gewissen Werner Tötges zu führen, deren Aussagen der Richtigkeit verfälscht werden. Dadurch leidet nicht nur die blossgestellte Katharina, sondern auch die Personen, die ihr wichtig sind. 
Als schliesslich ihre Mutter plötzlich stirbt und die Schuld auf den Journalisten der ZEITUNG, Werner Tötges geschoben wurde, der unerlaubterweise ein Interview mit ihr führte, platzt der ansonsten ruhigen und schüchternen Person der kragen. Sie lädt ihn zu einem Interview ein, wo sie ihn schlussendlich erschiesst.

Heinrich Böll möchte damit auf die Gefährlichkeit der Presse und Medien aufmerksam machen. Er zeigt mit dieser Geschichte ein extremes Beispiel auf, welches aber die Entstehung der Gewalt darstellt und wohin sie schlussendlich führen kann.
In seinem Nachwort, welches er zehn Jahre später schrieb, möchte er durch Tatsachen darauf verweisen, welche Unruhe er durch das Schreiben seiner Geschichte gestiftet hat.
Seine Pamphlet (siehe Fremdwörter-Post), welches er in eine Erzählung schmückte, wurde sogar als "Terroristen-Roman" bezeichnet. Dabei möchte er den Lesern damit klar machen, dass Medien, vor allem diese ZEITUNG, vollgesogen mit Lügen ist und sobald unverfälschte Tatsachen darin erscheinen, diese als Lüge betrachtet werden. 

"Kurz gesagt: sie zieht sogar die Wahrheit in den Dreck, wenn sie sie wahrheitsgemäss wiedergibt." 
(Nachwort von Heinrich Böll S. 141)

Durch das Grossschreiben der ZEITUNG möchte er vermutlich die BILD-Zeitung verkörpern. 
In der Geschichte wird sie als eiskalte, berechnende "Terroristenbraut" bezeichnet. Damit kann man seine Wut gegenüber der Boulevardpresse herausspüren. Böll ist nämlich ein bekannter Kritiker der selten ein Blatt vor seinen Mund nimmt.

Das Buch beginnt direkt mit dem Tathergang, obwohl man noch gar keine Grundkenntnisse des gesamten Buches hat. Man ist also direkt mitten drin. Dies sorgt zu beginn für eine grosse Verwirrung (zumindest bei mir), doch je mehr man liest, desto mehr wird man Aufgeklärt.
Im Buch kommen zudem auch sehr viele Personen vor, wodurch man schnell den Überblick verliert und man deswegen die Gewichtigkeit auf die Personen legt, obwohl diese eigentlich nicht viel zum Geschichtsverlauf beitragen. Wesentlich gibt es drei Personen welche wichtig sind und die ZEITUNG, welche subjektiv dargestellt wird. 

Am Anfang tat ich mich schwer, das Buch in die Hände zunehmen und darin zu lesen, denn durch meine anfängliche Verwirrung habe ich ständig die Kapitel wiederholt, doch das hat mir letzten Endes nicht viel gebracht. Als ich mich dann aber dazu aufraffen konnte, kam ich schnell voran. Ich stoppte allerdings immer wieder um das Gelesene zu überdenken und die vielen Informationen zu verarbeiten. Doch wenn man das Buch gelesen hat, erkennt man die Raffinesse und Kreativität von Heinrich Böll. Zuvor habe ich mich ausschliesslich während meiner Projektarbeit, die vom Schönheitswahn, welcher aufgrund der Medien verbreitet wird handelt, befasst. Dass die Medien allerdings bis zu solchen Verzweiflungstaten führen kann, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Allerdings wurden mir nun die Augen geöffnet und ich konnte so meine Sichtweise zu den Medien anpassen.
Zum Schluss kann ich also sagen, dass ich das Buch als sehr packend und empfehlenswert betrachte.

Zurück zu meinen anfänglichen Fragen.
Die Medien können schmerzhafter denn je sein. Durch diese Bedeutsamkeit die sie in der Gesellschaft gewonnen hat, kann die kleinste Aussage gravierende Folgen mit sich reissen. Je nach dem wie die Presse die Storys ausschmückt bzw. verfälscht oder eben nicht, kann sie in der Öffentlichkeit mehr oder weniger zu riesigen Diskussionen/Gerüchten führen. Wenn dies geschieht, so ist die Gesellschaft unberechenbar. Dadurch kann die Ehre auf jeden Fall bis aufs Letzte in den Dreck gezogen werden, was danach nicht einfach zu "säubern" ist. Wenn man dann noch weiss, dass man durch ein unbedachtes Ereignis die einem nahestehenden Personen darunter leiden, so wird die Verzweiflung noch ausgeprägter, was letztlich zu Taten führen kann, welche man sich niemals hätte trauen können. Verzweiflungstaten.

"Die Gewalt von Worten kann manchmal schlimmer sein als die von Ohrfeigen und Pistolen."
- Heinrich Böll: Interview im Oktober 1974 (Quelle: Wikipedia)

Wer ist Katharina Blum?

guten Tag miteinander

So, nun kennt ihr Katharinas Geschichte mehr oder weniger. Aber wer ist diese Katharina Blum überhaupt? Mit dieser Personencharakterisierung möchte ich sie euch etwas näher bringen. 

Die Hauptfigur in dieser Erzählung nennt sich Katharina Blum. Sie ist 27 Jahre jung und ist in Gemmelsbroich im Landkreis Kuir, am 2. März 1947 geboren. 
(Quelle: Kapitel 15, S. 22)
Sie wird als eine ordentliche, fleissige und schüchterne, besser gesagt eingeschüchterte Person beschrieben. Dazu gilt sie noch als hilfsbereit, freundlich, planvoll, intelligent und ruhig.(Quelle: Zusammenfassung aller Beschreibungen, die im Buch erwähnt wurden) 
Von ihrem Arbeitgeber Dr. Hubert Blorna wird sie, zu allen anderen Beschreibungen, als kluge und kühle Person bezeichnet. (Quelle: Kapitel 21, S. 35)
Die Männerwelt verspürt zu dieser unscheinbaren Person allerdings eine starke Anziehung. Ein Verehrer nach dem anderen jagt ihr hinterher. Möglicherweise liegt dies an ihren weiteren, waghalsigen Charakterzüge, die sie prägen. Treue und Stolz. Woran man diese erkennt? Ganz einfach. Ihre Treue widerspiegelt sie in ihrer Arbeitshaltung, sie ist stets tüchtig und zuverlässig. Der Stolz, für das, dass sie nicht aus der Ruhe zubringen ist, egal in welcher Situation sie steckt.(Quelle: aus der Geschichte interpretiert) 

Hat dies die junge Frau in ihrer schweren Kindheit gelernt? Sie muss nämlich schon früh mit schweren Schicksalsschlägen kämpfen. Sie verliert ihren Vater Peter Blum bereits mit sechs Jahren. Er stirbt an einer Lungenverletzung die er sich im Krieg zugezogen hat. Ihre Mutter, Maria Blum verkraftet den Tod ihres Mannes und die darauf folgende Arbeit nur schwer und greift deswegen zum Alkohol.
Aufgrund der alkoholabhängigen Mutter beginnt Katharina schon sehr früh im Haushalt zu helfen und arbeitet nebenbei bei Nachbarn und anderen Dorfbewohnern während dem sie die Schule besucht. 

Else Woltersheim verschafft ihr nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss ihre erste Arbeitsstelle als Haushaltsgehilfin und ermöglicht ihr durch ihre finanzielle Unterstützung den Besuch der Hauswirtschaftsscuhle in Kuir.

Einige Jahre später lernt sie durch ihren älteren Bruder, Kurt Blum, den Textilarbeiter Wilhelm Brettloh kennen, den sie wenige Monate später heiratet. Allerdings empfindet sie ein halbes Jahr später eine extreme Abneigung gegenüber ihm und lässt sich kurzentschlossen scheiden.

Kurz darauf findet Katharina erneut eine Stelle als Haushaltsgehilfin und Wirtschafterin. Gleichzeitig absolviert sie die Fachprüfung als staatlich geprüfte Wirtschafterin. Sie bleibt stetig des Berufes treu.

Zum Schluss lernt unsere liebe Katharina das Ehepaar Blorna kennen, wo sie bis zum bitteren Ende arbeitet.
(Quelle: Kapitel 15, S. 22ff)

Ihr bitteres Ende naht, die begnadete Tänzerin lernt während eines Hausballes, welcher ihre Tante organisiert hat, den von der Polizei gesuchten Ludwig Götten kennen. Während des Tanzens verfällt die junge Blum dem ebenso jungen Götten. Auch er verfällt der hübschen, freundlichen und adretten Katharina Blum. Zusammen verbringen sie eine Nacht, die für beide einen verhängnisvollen Ausgang mit sich zieht. 
(Quelle: Kapitel 9, S. 17)

Die einst so unscheinbare Frau wird prompt zu einer Person der Öffentlichkeit, ausschliesslich durch die ZEITUNG. Diese scheut sich vor keiner Tat und zieht die Ehre der Katharina Blum, wie auch diese, der ihr nahestehenden Bekannten, in den Dreck.
Als Katharina keinen Ausweg mehr sah und sich so verletzt in der Ehre sah, greift sie zu einer radikalen Massnahme, zu welcher sie zuvor nicht hätte fähig sein können. (Quelle: Kapitel 58, S. 135ff)

Donnerstag, 22. Januar 2015

Inhaltsangabe

erneut Willkommen


1974 erschien die Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" oder: "Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann", von Heinrich Böll mit einem Nachwort, welches er zehn Jahre später verfasste.

Heinrich Böll ist am 21. Dezember 1917 in Köln geboren und war nach seinem Abi Lehrling im Buchhandel. Danach trat er sein Studium in Germanistik an der Universität in Köln an, wo er unter anderem seinen ersten Roman verfasste. Anschliessend wurde er in die Wehrmacht einberufen und war sechs Jahre lang Soldat. Ab 1947 veröffentlichte er Erzählungen, Romane, Hör- und Fernsehspiele und auch Theaterstücke, ausserdem war er auch als Übersetzer aus dem Englischen tätig. 1972 erhielt Böll den Nobelpreis für Literatur. 13 Jahre später verstarb er im Alter von 68 Jahren, am 16. Juni 1985 in Langenbroich, Eifel.

Mit dieser Erzählung möchte Böll auf die Gewaltauswirkungen der Presse und Medien und deren Folgen aufmerksam machen. In diesem Fall durch die fiktiv erfundene Geschichte der Katharina Blum und deren Mord am Journalisten Werner Tötges.
Die ganze Geschichte wird von einem Erzähler berichtet, der sich vom Geschehen distanziert, dennoch aber stark auf die Genauigkeit achtet. Von ihm sind keinerlei Informationen bekannt.

Am Mittwochabend dem 20.02.1974, am Vorabend der Weiberfastnacht lernt die junge Haushaltsgehilfin Katharina Blum, im Alter von 27 Jahren den von der Polizei gesuchten Ludwig Götten kennen und verliebt sich auf anhieb in ihn. Die beiden verbringen zusammen die Nacht in ihrer Wohnung, von welcher er am nächsten Tag, als die Polizei die Wohnung stürmte, spurlos verschwand. Katharina Blum wurde der Mithilfe bezichtigt und vorläufig festgenommen und verhört.
Die ZEITUNG verfolgt den Verlauf der Ermittlungen auf Schritt und Tritt und stellt sogar selber Ermittlungen an.
Als auskam, das Katharina Blum den Journalisten Werner Tötges in ihrer Wohnung erschossen hat, schreckt die ZEITUNG vor nichts mehr zurück.
Kurze Zeit wird sie auch dem Mord am Bildjournalisten Adolf Schöner verdächtigt, doch die Beamten fanden keine Parallele zwischen den beiden Ermordeten.
Die ZEITUNG bezeichnet ihre ermordeten Journalisten als "Opfer ihres Berufes".
Nun wurden die Tage zwischen dem Verschwinden von Ludwig Götten und dem Mord an Werner Tötges bis ins letzte Detail unter die Lupe genommen.
Katharinas ganzes Leben wird untersucht, dabei müssen, die ihr am engsten stehenden Personen, ebenfalls darunter leiden, vor allem ihre Patentante, Freundin und Vertraue Else Wolterheim und das Ehepaar  Blorna, welches unter anderem ihr Arbeitgeber war.
Die ZEITUNG verdreht jede einzelne Aussage der befragten Person, so dass Katharina keine Chance hat, ihre Unschuld an der Mithilfe von Göttens Verschwinden zu beweisen.
Als durch die Befragungen der Polizei ans Licht kommt, dass Katharina Blum ab und an ominöse Männer empfange, wurde sie in der Zeitung als "Flittchen" bezeichnet. Sie streitet den Herrenbesuch ab, bis sie schliesslich Dr. Hubert Blorna gesteht, dass sie niemals Herrenbesuche empfangen hat, sondern der langjährige Freund der Blornas, Alois Sträublender, sie belästigt und ihr sogar den Schlüssel zu seiner Zweitvilla aufgedrängt hat.
Als dieser Schlüssel plötzlich verschwindet, wird Ludwig Götten kurze Zeit später in der Villa festgenommen.
Nach seiner Festnahme und der Bekennung, dass Katharina keine Komplizin des Göttens ist. Lädt sie den Journalisten Werner Tötges auf ein Interview zu sich nach Hause ein, denn diese hat nicht aufgehört, sich gegen Katharina zu verschwören.
Als Tötges ihre Wohnung betritt und beginnt, ihr an die Kledage zu gehen, greift sie ohne gross zu zögern zum Revolver, den sie zuvor aus der Wohnung von Konrad Beiters geholt hat, und erschoss ihn.
Danach sucht sie nach Reue und irrt in der Stadt umher, vergebens.
Schliesslich stellt sie sich dem Oberkommissar Walter Moeding und bittet um ihre Verhaftung.

Ende des Groschenheftes

Hallo, Hallo :)


Ich habe es geschafft, ich bin nun fertig mit dem erzählerisch verkleideten Pamphlet von Heinrich Böll. Fakten wurden nun auf den Tisch gelegt und Unklarheiten geklärt.

Nicht nur Katharina Blum war wegen der ZEITUNG emotional zerbrochen, nein, auch alle anderen, die ihr nahestanden wurden durch die Artikel zu anderen Personen.
Vor allem die Blornas litten unter dem Ausgang des ganzen Prozesses. Finanziell gab es bei ihnen eine gewaltige Veränderung. Sie standen kurz vor der Pleite, obwohl sie vorher keinerlei Probleme hatten. Hubert Blorna will nun sein Stadtbüro verkaufen und seine Arbeiten zu Hause erledigen und sein luxuriöses Auto verkaufen, er ging sogar zum Pfandleiher um den Wert eines Ringes begutachten zu lassen. Trude Bloran wollte die Villa verkaufen und hielt Ausschau nach einem neuen Job für sich. Die Not der Blornas wurde vor allem durch die fehlende Körperpflege von Hubert Blorna bemerkbar.

"Ein fröhlicher, weltoffener Mensch, der das Leben, das Reisen, Luxus liebt - vernachlässigt sich so sehr, dass er Körpergeruch ausströmt! Sogar Mundgeruch ist bei ihm festgestellt worden." 
(H. Böll S. 131)

Auch Else Woltersheim war davon betroffen. Sie war auf dem Weg in eine steigernde Verbitterung, sie musste sich mit der Gewalt zurückhalten, die sich langsam aber sicher in ihr aufstaute.

Gereiztheiten, Spannungen und schlussendlich auch Handgreiflichkeiten kamen bei ehemals so fröhlichen Menschen.
Was diese ZEITUNG alles anrichtete. Eine Schande! Auch wenn es der Job von Werner Tötges war, so hätte man sich Gedanken zu den Folgen dieser Verleumdungen machen müssen.
Tötges schreckte nicht einmal vor moralisch unterwürfigen Kommentaren zurück.

"Blümelein - ich schlage vor, dass wir jetzt erst einmal bumsen." (H. Böll S. 135)

Wie würdet ihr reagieren, würde diese Person, die euer Leben zerstörte euch mit einer solchen Aussage zu nahe treten? 
Ich könnte euch nicht sagen, wie ich reagieren würde. Es würde mir sicherlich den Rest geben, doch zur Waffe greifen, könnte ich nicht einmal dann. 

In Heinrich Bölls Nachwort schreibt er, dass nicht einmal eine Katharina Blum sich einen Mord zutraute, doch durch diese Umstände kein Ausweg mehr sah und kurz entschlossen zur Waffe griff.
Sie weiss dass sie eine Mörderin ist, doch bereuen tut sie es trotzdem nicht. Dennoch möchte sie genau aus diesem Grund keine Kinder. Sie möchte ihnen diese Belastung ersparen und ihnen nicht zumuten, eine Mörderin als Mutter zu haben.

Am Schluss kommt alles ans Licht.

Obskure Wörter, dessen Bedeutung ich ausbaldowert habe...

Sakrilege

Unter Sakrilege versteht man das Vergehen einer heiligen Person, Gegenstand oder Stätte. Man verstösst gegen jemanden oder etwas.


Im Buch wird das Wort im Zusammenhang des Missbrauches der Faschingsverkleidungen für kriminelle Taten verwendet.

"Das sind echte Sakrilege." (Buch S. 12)

Beispielsatz: Der Junge hat ein Sakrileg begonnen, indem er in der Kirche auf den Boden gespuckt hat.


Pedanterie

Als Pedanterie bezeichnet man die Pingeligkeit, Genauigkeit oder Umgangssprachlich unter anderem auch die "Erbsenzählerei". Man achtet darauf, dass alles perfekt ist, genau so wie man es haben will. 


Im Buch wird das Wort während dem Protokollschreiben verwendet, als Katharina Blum sich jede einzelne Formulierung vorlesen liess, um sicher zu gehen, ob auch alles so wie sie es möchte festgehalten wird.

"Die Dauer der Vernehmung liess sich daraus erklären, dass Katharina Blum mit erstaunlicher Pedanterie jede einzelne Formulierung kontrollierte,..." (Buch S. 29)

Beispielsatz: Deine pedantische Art ist teilweise sehr mühsam.


adrett

Adrett bedeutet soviel wie im äusseren Erscheinungsbild sauber und ordentlich zu wirken. Man kommt sehr ordentlich und gepflegt rüber.

Im Buch wird das Wort für die Beschreibung von Katharina Blum verwendet.

"sie sei immer adrett, freundlich, wenn auch kühl gewesen." (Buch S. 31)

Beispielsatz: Sie scheint mir eine adrette Person zu sein.


Konspiration

Die Konspiration ist eine Verschwörung. Eine Personengruppe stellt sich gegen jemanden oder etwas. Sie haben die gleiche Denkweise gegenüber etwas.

Im Buch wird ihre Wohnung als Konspirationszentrum beschrieben.

"War ihre Wohnung ein Konspirationszentrum, ein Bandentreff, ein Waffenumschlagplatz?" (Buch S. 37)

Beispielsatz: Ich hänge mich der Konspiration gegen das frühe Aufstehen an.


apathisch

Apathisch bedeutet, etwas ist einem egal, man ist teilnahmelos, einem ist etwas gleichgültig. Man schenkt keine Aufmerksamkeit.

Im Buch steht dieses Wort im Zusammenhang mit der Art von Katharina Blum, als sie nach dem Verhör in die Zelle gebracht wird und ihr Essen und etwas zu trinken angeboten wurde.

"alles habe sie abgelehnt, nicht in aggressiver, sondern in fast freundlicher, apathischer Weise" (Buch S. 61)

Beispielsatz: Der Mann grüsste sie apathisch.


Plädoyer

Ein Plädoyer ist eine zusammenfassende Rede eines Rechts- oder Staatsanwaltes; eine Äusserung.

Im Buch wird die Rede der Staatsanwaltes Dr. Korten für die Pressefreiheit als Plädoyer bezeichnet.

"Es war der junge Staatsanwalt Dr. Korten, der hier ein fast leidenschaftlich zu nennendes Plädoyer für die Pressefreiheit und für das Informationsgeheimnis hielt..." (Buch S. 65)

Beispielsatz: Der Rechtsanwalt Dr. Vils hielt ein Plädoyer gegen die Sakrilege.


obskur

Man zweifelt an der Richtigkeit der Aussage, oder stellt diese in Frage. Etwas kommt einem schwammig vor.

Im Buch wird die Rolle des verdeckten Ermittlers gegen Ludwig Götten als obskur bezeichnet.

"...dieses Scheichs mit dem Namen Karl habhaft zu werden und dessen höchst obskure Rolle in diese Sache zu untersuchen. (Buch S. 74)

Beispielsatz: Dein Verhalten ist obskur.



Gendarm (-romantik)

Gendarme kommt aus dem Französischen und heisst soviel wie Polizeisoldat, ursprünglich hiess es übersetzt bewaffneter Ritter. Heute wird es als Synonym für Polizist verwendet.

Im Buch beschreibt Katharina Blum die Art und Weise, wie Ludwig Götten aus ihrer Wohnung verschwand als eine Art Räuber- und Gendarmromantik.

"Nein, sie habe zwar nicht geglaubt, dass die Polizei sie und Götten überwache, sondern sie habe das als eine Art Räuber- und Gendarmromantik angesehen,..." (Buch S. 109)

Beispielsatz: Heute wurde ich aufgrund einer Kontrolle von einem Gendarmbeamten angehalten.


expedieren

expedieren heisst, man sendet etwas ab, oder befördert es.

Katharina Blum (bzw. Heinrich Böll) verwendete das Wort, als sie berichtete, wie Götten unbemerkt aus ihrer Wohnung kam.

"es habe ihr Spass gemacht, ihn eigenhändig in den Heizungsschacht zu expedieren und auf den Notausstieg zu verweisen,..." (Buch S. 109)

Beispielsatz: Der Mann hat seinen Liebesbrief persönlich expediert.


ausbaldowern

ausbaldowern bedeutet etwas ausfindig machen, oder sich über etwas erkundigen. Man macht sich über etwas schlau.

Dieses Wort wurde im Artikel der SONNTAGSZEITUNG im Zusammenhang mit den Herren- bzw. Damenbesuchen verwendet.

"nicht sie erhielt Herrenbesuch, sondern sie stattete unaufgefordert Damenbesuch ab, um die Villa auszubaldowern." (Buch S. 114)

Beispielsatz:  Der Räuber hat den Plan des Museums ausbaldowert.


emigrieren

Emigrieren bedeutet, sein Land aus verschiedenen Gründen verlassen; man wandert aus.

Der Vater der Woltersheim soll in die Sowjetunion emigriert worden sein und dort verschollen.

"Noch ein paar Stufen interessanter sei der Vater der Woltersheim, ein gewisser Lumm,ebenfalls Arbeiter, ausserdem Mitglied der damaligen KPD, der 1932 in die Sowjetunion emigriert sei und dort angeblich verschollen sei." (Buch S. 117)

Beispielsatz: Die Familie ist nach Australien emigriert.


dato

Dato kann als Synonym für heute verwendet werden. Es kommt aus dem Lateinischen und wurde ursprünglich vom Wort Datum abgeleitet.

Während der Ermittlungen von Blorna im Dorf Gemmelsbroich, wo Katharina Blum aufwuchs, wurde dieses Wort verwendet.

"...,was ihn besonders schmerzlich überraschte, durch eine Dame, die ihm bis dato eine gewisse Hilfe, fast sogar Sympathie entgegengebracht hatte:..." (Buch S. 121)

Beispielsatz: bis dato soll die Hausaufgabe gemacht sein.


diffamieren

Man redet abschätzig/schlecht über jemanden, zieht seine Ehre durch den Dreck. Bringt ihn in üblen Ruf.

Das Wort wird als eine Erklärung für die steigernde Verbitterung von Else Woltersheim verwendet.

"Es hat sie sehr getroffen, dass man ihre Mutter und ihren verstorbenen Vater diffamierte, der als Opfer des Stalinismus gilt." (Buch S. 128)

Beispielsatz: Der Ruf des unschuldigen Mannes wurde wegen der Mordanklage bis aufs Übelste diffamiert.


Pamphlet

Ein Pamphlet ist eine Art Streit- oder Schmähschrift. Ähnlich wie ein Essay. Man befasst sich ausgiebig mit einem Thema oder einer These und beginnt zu argumentieren.

Heinrich Böll bezeichnet seine Lektüre als ein Pamphlet.

"Ich hätte dieses erzählerisch verkleidete Pamphlet längst vergessen, würde ich nicht hin und wieder durch völlig desinformierte Informatiker daran erinnert;" (Buch S.140)
  
Beispielsatz: Das Pamphlet welches er verfasste, bringt sie in Verzweiflung. 


Groschenheft

Als Groschenheft wird eine einfache, billige, nicht herausfordernde Lektüre in einem Heft bezeichnet.

Heinrich Böll verwendet dieses Wort in seiner Nacherzählung seines Buches.

"Es ist ja nicht mehr als ein eLiebesgeschichte mit dem Handlungskern eines Groschenheftes,..." (Buch S. 140)

Beispielsatz: Das Groschenheft war sogar für den Primarschüler zu anspruchslos.

Mittwoch, 21. Januar 2015

der Vordergrund

Hallo ihr Lieben


So, nun habe ich's mir erneut auf meinem warmen Bettchen bequem gemacht und los gelesen. Ich war dieses Mal sehr konzentriert und kam schnell vorwärts. Bis ich, wie solle auch anders sein, wieder aufhören musste, um das Gelesene zu überdenken. Allerdings fällt es mir jetzt viel leichter, das Gelesene zu verstehen, denn mittlerweile wurden viele Fragen und Unklarheiten enthüllt. 

In diesem Buch wird vom Vordergrund und vom Hintergrund berichtet. Doch hauptsächlich vom Vordergrund. Man vergisst vor lauter Aufregung was eigentlich alles im Hintergrund stattfindet obwohl dies relevant für die Handlungen sein könnte.
Wie z.B. die Telefongespräche, die während des ganzen Prozesses ebenfalls stattfanden.
Wer hörte diese ab? Was kam dabei raus? Wie fühlte sich diese Person?
Zwar durften diese Aufzeichnungen nicht für die Prozesse verwendet werden, trotzdem aber waren sie für die Ermittlungen wichtig. Vor allem die Gespräche zwischen Katharina und Ludwig, welche tatsächlich stattfanden. Sehr intim und privat. Doch nicht verhängnisvoll für Katharina Blum.
Sie wusste ausschliesslich, dass er Bundeswehrdeserteur sei und von der Polizei gesucht wurde, weshalb jedoch nicht. Sie war also keine Komplizin von ihm, sondern nur eine junge Frau, welche von ihm um den Finger gewickelt wurde. Die unbemerkte Flucht von Götten durch den Heizungsschacht war ebenfalls nicht geplant, sie sah dies lediglich als eine Art Räuber- und Gendarmromantik (siehe Fremdwörter-Post). Ausserdem ist sie froh, dass Götten nun hinter Gitter ist, denn jetzt kann er keine Dummheiten mehr begehen.
Sind diese Aussagen wirklich wahr, oder nur ein kluger Schachzug der Blum? Einerseits könnte sie wirklich nur von ihm benutzt worden sein, andererseits hätte das Ganze auch nur eine Art Spiel sein können. Dies bezweifle ich allerdings. Sie hat dadurch nicht nur ihr Leben bzw. ihre Ehre zerstört, sondern auch dies vieler anderer Personen, die ihr nahe standen.

In diesen Kapiteln kam heraus, wie skrupellos der  Journalist Werner Tötges ist. Er spürte die Adresse des Spitals auf, wo die Mutter von Katharina Blum, Maria Blum, stationiert war. Als Tötges zu Frau Blum vordringen wollte, wurde er vom Arzt Dr. Heinen darauf aufmerksam gemacht, dass sie aufgrund einer schweren aber geglückten Krebsoperation, sehr ruhebedürftig wäre. Dies ignorierte er anscheinend und tarnte sich als Maler, um zu ihr zu gelangen.
Ohne sich Gedanken zu machen, was er alles anrichten könnte, verfälschte er zudem noch die Aussage von Frau Blum. Anschliessend wurde bekannt, das Maria Blum unerwartet verstorben ist. Man vermutet, dass die Aufregung durch das Interview von Tötges entstand und sie deswegen verstarb. Allerdings ist nicht ganz klar, ob diese Interview tatsächlich stattfand oder nicht, denn man glaubt, dass er die Aussage schlichtweg erfunden habe.

Auch die Herrenbesuche gab es nie. Sträublender habe sie regelrecht bedrängt. Sie habe seine Besuche nicht zugegeben, weil sie der Meinung war, dass ihr sowieso niemand glauben würde. Denn eine einfache Hausangestellte wie sie würde einem solch angesehenem Mann doch nicht widerstehen.

Wir wissen ja, dass Katharina Blum den Journalisten Werner Tötges erschiessen wird. Nun kennt ihr auch einige Fakten, welche sie vermutlich dazu gebracht haben, diesen Entschluss zu fassen. Wie steht ihr zu ihrer Tat? Ich will nicht sagen, dass sie berechtigt war (kein Mord ist jemals eine berechtigte Tat!), ich finde nur, dass ich ihre Wut verstehen kann. Nicht aufgrund ihrer verlorenen Ehre. Nein, sondern weil dieser Journalist Tötges ihr ganzes Leben zerstört hat. Dass sie ihn erschossen hat, war allerdings, denk ich mal, eine Kurzschlussreaktion.

Dienstag, 20. Januar 2015

Kommentar zu Noemis Post

Liebe Noemi

Ich finde es gut dass du in diesem Post noch einmal eine Kurzzusammenfassung des Buches gemacht hast, worauf du auf die bzw. auf das Fremdwort (die Äbtissin) aufmerksam gemacht hast. Der Übergang ist dir somit sehr fliessend gelungen, was sehr angenehm zu lesen ist und den Leser nicht irritiert.
Ich finde es gut, dass du auch noch deine eigene Meinung zum angesprochenen Thema mit eingebracht hast und dass du überhaupt den Eintrag so aufgebaut hast. Bei anderen Bloggern die den Fremdwörter-Post gemacht haben (wie z.B. mir), ist der Eintrag ziemlich langweilig und einfach gestaltet. Du hast nicht wie viele andere die Fremdwörter stur aufgelistet, sondern hast dem Ganzen noch einen persönlichen Hauch verliehen und den Post attraktiver zum Lesen gemacht. Bei anderen würde ich den Eintrag überhaupt nicht betrachten und einfach "weiterscrollen".

Auf deine erste Frage, ob er nun Suizid begann oder nicht, kann ich dir leider keine Antwort geben, da ich das Buch nicht gelesen habe.
Aber deine zweite Frage ist eine sehr gute Überlegung. Ich kann dir nicht sagen, ob jeder etwas hat, wodurch man die Sorgen für einen kurzen Moment verliert. Ich persönlich habe das. Für mich ist der Sport, wie auch die Musik der beste Fluchtweg aus einer, ich nenne es jetzt übertrieben, "ausweglosen" Situation.
Ich stelle es mir sehr schlimm vor, wenn man sich nicht irgendwie zurückziehen kann und dann den Frust rauslassen kann. So wird ja schliesslich alles aufgestaut und irgendwann wird jedes Fass voll sein und überlaufen. Denkst du das war bei Miguel Auristos Blancos auch so?

Liebe Grüsse
Sandra